Götterdarstellungen, Kult- und Weihedenkmäler aus Carnuntum

Götterdarstellungen, Kult- und Weihedenkmäler aus Carnuntum

Bearbeitet von Gabrielle Kremer
Christian Gugl
Christian Uhlir
Michael Unterwurzacher
Volume: 1
Copyright Date: 2012
https://www.jstor.org/stable/j.ctt3fgk47
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    Götterdarstellungen, Kult- und Weihedenkmäler aus Carnuntum
    Book Description:

    Der erste Supplementband des Corpus Signorum Imperii Romani Carnuntum behandelt die Götter-, Kult- und Weihedenkmäler aus dem Siedlungsgebiet der römischen Provinzhauptstadt Oberpannoniens. Insgesamt 772 Steindenkmäler aus verschiedenen privaten und öffentlichen Sammlungen werden vorgelegt und dem aktuellen Forschungsstand entsprechend dokumentiert. Ein ausführlicher Auswertungsteil stellt diesen Denkmälerbestand vor den forschungsgeschichtlichen, historischen und kunsthistorischen Hintergrund. Die Kartierung und detaillierte Interpretation und Beschreibung der Fundorte lässt erstmals eine „sakrale Topographie“ Carnuntums entstehen.

    eISBN: 978-3-7001-7395-3
    Subjects: Archaeology

Table of Contents

  1. Front Matter
    (pp. 1-4)
  2. Table of Contents
    (pp. 5-6)
  3. Vorwort des Institutsleiters
    (pp. 7-7)
    Andreas Pülz

    Aus Carnuntum und seinem unmittelbaren Einzugsgebiet stammen derzeit weit über 2000 römerzeitliche Steindenkmäler, die eine überaus ergiebige archäologische Quelle für die kulturgeschichtliche Erforschung des Carnuntiner Raumes darstellen. Eine Vielzahl dieser steinernen Zeugnisse römischer Kultur wurde in den Jahren zwischen 1967–1972 in den CSIR-Bänden Österreich I 2 bis I 4 vorgestellt. Dabei folgte man durchwegs dem Publikationskonzept der Corpus Signorum Imperii Romani-Reihe und konzentrierte sich auf die katalogartige Vorlage der Einzelobjekte. Im vorliegenden Band, der einen Großteil der Neufunde der letzten 40 Jahre berücksichtigt, wird die Zielsetzung der umfassenden Materialvorlage allerdings um spezifische Auswertungen (etwa hinsichtlich der Fundortbestimmung oder der Religionsgeschichte) erweitert,...

  4. Vorwort der Autorin
    (pp. 8-8)
    Gabrielle Kremer-Molitor
  5. 1. Einleitung
    (pp. 9-12)

    Mit der Transferierung des gesamten Denkmälerbestandes des Archäologischen Museums Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg (AMC) in neue Depoträumlichkeiten ab dem Jahr 2005 bot sich die Gelegenheit einer Sichtung und systematischen Bestandsaufnahme der Steindenkmäler dieser Sammlung.¹ Da sich rund 55% der im vorliegenden Band enthaltenen Objekte heute im AMC befinden, machen sie das Kernstück des erfassten Materials aus. Durch die Neuinventarisierung konnten die in drei verschiedenen, einander teilweise überschneidenden Inventaren enthaltenen Informationen zusammengeführt und bisher nicht erfasste Objekte in die Systematik eingegliedert werden.²

    Insgesamt 9% der aufgenommenen Objekte befinden sich heute in anderen in- und ausländischen öffentlichen Sammlungen, 12% in Privatbesitz, 23%...

  6. 2. Forschungsgeschichte
    (pp. 13-24)

    Die ältesten Nachrichten zu den hier behandelten antiken Steindenkmälern betreffen die Inschriftensammlung des Wiener Humanisten, Mediziners, Kartographen und Altertumsforschers Wolfgang Lazius (1514–1565) (Abb. 3).19Als typischer Universalgelehrter des späten Humanismus besaß er ein umfangreiches und vielfältiges Wissen und übte am Hof Ferdinands I. sowohl die Funktion des kaiserlichen Leibarztes als auch des Leiters der kaiserlichen Sammlungen aus. Er wurde damit zum frühen Vorläufer der für die Fürsten tätigen Antiquare und der modernen wissenschaftlichen Beamten.20Daneben hatte er an der Universität Wien die Stelle eines Professors der Medizin inne und wurde mehrfach zum Dekan der medizinischen Fakultät ernannt. Von Bedeutung...

  7. 3. Katalog
    (pp. 25-312)

    FO: Carnuntum, Umland Zivilstadt. 1912. „Schaffelhof“, im Bereich der Gräberstraße. – Südlicher Randbereich des Siedlungsgebietes.

    VO: AMC, Inv. Nr. 3993 (Ankauf).

    Kostbarkeiten 1953, Abb. 31; Swoboda 1964, 96 Taf. 19; CSIR Carnuntum I, 16 Nr. 20 Taf. 8; Obermayr 1967, Bildteil Taf. 11 rechts unten; Pleyel 1987, Abb. S. 89; Kádár 1989, 1047 Taf. 2, 3; Kat. Carnuntum 1992, 326 f. Nr. 11 Abb. S. 154; Kremer u. a. 2009, 669. 673. 679 Nr. 41; Kat. Carnuntum 2011a, 265 Nr. 311.

    Am Halsansatz abgebrochen, kaum bestoßen. Modernes Bohrloch in der Unterseite.

    Feiner weißer Marmor (optische Bestimmung: Paros).

    Erh. H 10,5;...

  8. 4. Datierung
    (pp. 313-324)

    Man geht davon aus, dass die Werksteinproduktion in Carnuntum mit der Ankunft der Legio XV Apollinaris in claudischer Zeit begann.200Im unmittelbaren Umfeld von Carnuntum fehlen bislang durch den Kontext datierte vorrömische Steinskulpturen.201Auch für Importe aus den bekannten Zentren der damaligen Kunstproduktion waren die Voraussetzungen bei der lokalen Bevölkerung offenbar nicht gegeben. Eine vorclaudische Bevölkerungsschicht, deren römische Identität bzw. deren Romanisierungsgrad sich an der Verwendung römischer Skulpturen ablesen ließe, konnte in Carnuntum noch nicht festgestellt werden.202Für den Porträtkopf des C. Iulius Caesar, der 1998 im slowakischen Gajary zum Vorschein kam, wurde zwar ein frühkaiserzeitlicher Carnuntiner Zusammenhang in Erwägung...

  9. 5. Fund- und Aufstellungsorte
    (pp. 325-371)

    Von den 772 religionsgeschichtlichen Steindenkmälern aus Carnuntum lassen sich 456 einem engeren Siedlungsbereich zuweisen. An Siedlungsbereichen wird hier unterschieden zwischen (Abb. 11):

    dem Legionslager,

    und der Lagervorstadt (Canabae legionis) als dem Areal, das sich bis zu einer Entfernung von einer Leuga (= ca. 2,22 km) um das Legionslager herum ausdehnte. Wie sich herausgestellt hat, wurde dieser auf den Pfaffenberg-Inschriften264genannte Bereichintra leugamentlang der Ausfallstraßen ausgemessen.265Demnach umfasst diese Leugenzone also auch das Auxiliarkastell und dessen Umfeld und reicht gegen Westen bis an die Stadtmauer der Zivilstadt. Das nahe bei der Zivilstadt gelegene Mithräum III befand sich juristisch gesehen...

  10. 6. Gottheiten
    (pp. 372-390)

    Am gesamten vorgelegten Spektrum der Götter- und Weihedenkmäler Carnuntums (Tabelle 7) fällt der hohe Anteil der Denkmäler für Silvanus/Silvanae (19%) auf, gefolgt von den Weihungen für Iuppiter (11%)535und für einen Genius (6,5%). Einen ebenfalls breiten Raum nehmen die Monumente des Mithraskultes ein (8%). Diese Gruppe umfasst den gesamten bekannten Bestand an Steindenkmälern aus mithräischem Zusammenhang. Rechnet man ihr auch die Weihungen an Sol zu, so steigt der Anteil auf 9%.

    Diesen Spitzenreitern folgen in absteigender Reihenfolge die Gottheiten Nemesis in ihren verschiedenen Erscheinungsformen, Diana, Mercurius, Minerva und Hercules, dann Sol, die Quadriviae, Bacchus-Liber Pater, Fortuna und Iuno sowie Venus...

  11. 7. Stifter(innen)
    (pp. 391-403)

    Eine Untersuchung zur Identität und gesellschaftlichen Stellung der Weihenden ist nur anhand der Inschriften möglich und betrifft daher rund 56% des Gesamtmaterials. Bei insgesamt 287 Objekten ist die Weihinschrift vollständig erhalten, weitere 146 sind beschädigt und lassen nur Teilinterpretationen zu. Dennoch erscheint dieses Material umfangreich genug, um eine repräsentative Aussage über die Zusammensetzung der auftretenden Stifter(innen) und deren Verteilung auf die unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen zu treffen.

    Eine weitere Differenzierung ist im Vorfeld notwendig und betrifft die Umstände der Weihung. Zunächst muss unterschieden werden, ob die Weihung durch eine oder durch mehrere Personen erfolgte; dann kann eine Aufgliederung nach Identität, Geschlecht, Rang,...

  12. 8. Werkstätten
    (pp. 404-411)

    Die kunstgeschichtliche Einordnung der Skulpturen ist eng mit der Frage nach ihrem Entstehungsort verbunden. Für die Erzeugnisse aus Muschelkalk und Kalksandsteinen der näheren Umgebung695gehen wir grundsätzlich von einer lokalen Fertigung aus. Hier sind allerdings große handwerkliche Qualitätsunterschiede bemerkbar. Lassen sich gleichartige charakteristische Merkmale an mehreren Skulpturen beobachten, so verwenden wir – etwas unscharf – den Begriff „Werkstätte“. Gemeint ist ein gemeinsames Entstehungsumfeld, das gleiche Zeitstellung und vergleichbare handwerkliche Fertigung voraussetzt.696Nur selten können diese Gruppen ähnlicher Denkmäler exakt datiert werden. Das Zusammenspiel antiquarischer (z. B. Kleidung, Frisur), technischer (z. B. Bohrungen, Oberflächenbehandlung), stilistischer (z. B. Behandlung der Augen- und...

  13. 9. Formen- und Typenrepertoire
    (pp. 412-420)

    Die Gesamtschau des nach einzelnen Gottheiten zusammengestellten Skulpturenmaterials macht die große Vielfalt an Stilgruppen und Qualitätsstufen einerseits und die relativ überschaubare Anzahl verwendeter Darstellungstypen andererseits deutlich.

    Die ganze Bandbreite an Erscheinungsformen bei nur geringfügiger Typenvariation bieten die Geniusdarstellungen (Kat. 22–45. 174–178). Rundplastik und Reliefs zeigen den in der Kaiserzeit üblichen Typus des jugendlichen Gottes in Hüftmantel und Fellstiefeln, mit dem Füllhorn in der linken Armbeuge und der Patera in der gesenkten rechten Hand, auf dem Kopf in der Mehrzahl der Fälle die Mauerkrone.722Variation zeigt sich in der Drapierung des Hüftmantels, der mit oder ohne überfallenden Zipfel, einfach...

  14. 10. Monumente aus Marmor – Materialanalyse und Herkunftsbestimmung (Ch. Uhlir – M. Unterwurzacher)
    (pp. 421-430)

    Marmor ist seit jeher ein äußerst hochwertiges und gern verwendetes Bau- und Dekormaterial. Gerade Objekte aus reinweißen Marmoren wurden in der Kaiserzeit des Römischen Imperiums hoch geschätzt. In Carnuntum liegt der Marmoranteil an den Götter- und Weihedenkmälern bei ca. 15% (siehe Kap. 1.2).791Obwohl davon ausgegangen werden muss, dass nur ein kleiner Bruchteil der ehemals vorhandenen Denkmäler bekannt ist, können die für die vorliegende Untersuchung berücksichtigten Objekte bezüglich Materialverwendung als repräsentative „Probe“ angesehen werden. Die vergleichsweise geringe Anzahl an Fundstücken aus Marmor lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass vor allem in der Spätantike bereits Spolienverwendung häufig war und im...

  15. Literatur
    (pp. 431-458)
  16. Allgemeine Abkürzungen
    (pp. 459-459)
  17. Bildnachweis
    (pp. 460-463)
  18. Indizes und Konkordanzen
    (pp. 464-484)