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Freie Nomaden, edle Räuber, skrupellose Sklavenjäger

Freie Nomaden, edle Räuber, skrupellose Sklavenjäger: Zur Darstellung von Turkmenen in Reiseberichten aus dem 19.Jahrhundert

Katrin Staudinger
https://www.jstor.org/stable/j.ctt3fgkfk
  • Book Info
    Freie Nomaden, edle Räuber, skrupellose Sklavenjäger
    Book Description:

    Turkmenen treten in der Literatur zu Zentralasien konsequent als archetypische Nomaden, Räuber und Sklavenhändler in Erscheinung – die Frage nach dem Ursprung dieser Bilder steht im Mittelpunkt der Untersuchung zur Darstellung von Turkmenen in Reiseberichten aus dem 19. Jahrhundert. Die Relevanz derselben als Quelle wird hinterfragt, wobei die Zusammenhänge zwischen dem Generieren und dem Austausch von Information, der Rezeption und dem Perpetuieren von Stereotypisierungen nachgezeichnet werden. Das Buch bietet eine Ergänzung zu Edward Saids Orientalism: Das Russische Reich als Kolonialmacht steht im Zentrum, der „Frontier Orientalism“ liefert den theoretischen Hintergrund, um Prozesse des „Othering“ im Grenzbereich zwischen den europäischen Mächten, dem Orient Saids und der turkmenischen Welt zu beleuchten. Eine Darstellung des historischen Kontexts und eine umfangreiche Übersicht über Reisende in Zentralasien mit Angaben zu ihren Biographien und Publikationen sowie ein Index ergänzen das Werk.

    eISBN: 978-3-7001-7382-3
    Subjects: Sociology

Table of Contents

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  1. Front Matter
    (pp. 1-4)
  2. Table of Contents
    (pp. 5-8)
  3. VORWORT
    (pp. 9-12)
    Maria Six-Hohenbalken

    Im 19. Jahrhundert wurde das Ringen der größten Seemacht und der größten Landmacht der Welt um den politischen und wirtschaftlichen Einfluss in Zentralasien als Great Game bezeichnet und dies sollte auch die Forschungsgeschichte weitgehend bestimmen. Großbritannien und Russland versuchten durch Expeditionen und Forschungsreisen an jene Informationen zu gelangen, die eine Vormachtstellung in der Region sichern sollten. Die zahlreichen Forschungsreisen erfolgten zumeist im Auftrag von Herrschenden und/oder auf militärischer Initiative, seltener in Humobld‘scher Manier um Sprachen und antike Stätten zu erforschen oder in reiner Abenteuerlust.

    Von den Reiseberichten und Dokumentationen und deren Darstellungen der Bevölkerung, insbesondere auf eine der zentralasiatischen Ethnien,...

  4. 1. EINLEITUNG
    (pp. 13-32)

    Auf seiner Reise von Moskau über Astrakhan nach Khiva und Bukhara beschrieb der englische Kaufmann Anthony Jenkinson im Jahr 1558 als erster Europäer turkmenische Stämme, die auf der Halbinsel Mangïshlaq an der Ostküste des Kaspischen Meeres lebten:

    “But before departure from thence wee found them to bee very badde and brutish people, for they ceased not dayly to molest us, either by fighting, stealing or begging, raysing the price of horse and camels, and victuals double, that the wont was there to bee, and forced us to buy the water that we did drink.”¹

    Er bezeichnete die Turkmenen als „rovers...

  5. 2. HISTORISCHER KONTEXT
    (pp. 33-40)

    Die Geschichte der Gebiete67, die von Turkmenen besiedelt waren, wurde im 19. Jahrhundert mitbestimmt von Entwicklungen und Abläufen in den sie umgebenden Staaten. Zu diesen Staaten zählten vor allem das Emirat von Bukhara und das Khanat von Khiva, in geringerem Ausmaß auch das Khanat von Kokand. Im Süden grenzten Persien und Afghanistan an jenen Teil Zentralasiens, der in der vorliegenden Arbeit eine Rolle spielt. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde auch der Einfluss der europäischen Kolonialmächte, allen voran Russlands, immer deutlicher spürbar. Das Ringen um die Vormachtstellung in Zentralasien hatte begonnen, das als Great Game bezeichnet wurde.

    In...

  6. 3. DIE TURKMENEN
    (pp. 41-62)

    Die Turkmenen setzten sich aus mehreren, politisch von einander unabhängigen Stämmen109 zusammen, die in den Gebieten rund um die Qara-qum-Wüste in der heutigen Republik Turkmenistan, in der Republik Usbekistan, im Norden Afghanistans und im Norden des Iran leben.110 Die Gesamtzahl der Turkmenen in der Republik Turkmenistan kann für das Jahr 2003 auf etwa 3,6 Millionen geschätzt werden.111 In Afghanistan könnte es bis zu 400.000 Turkmenen geben, wobei 60 bis 70 % von ihnen Flüchtlinge und deren Nachkommen sein könnten, die in den 1920er und 1930er Jahren die Sowjetunion verließen.112 Im Iran lebten 1996 etwa 1,2 Millionen Turkmenen.113

    Außerhalb des Hauptsiedlungsgebietes...

  7. 4. REISENDE IN ZENTRALASIEN
    (pp. 63-94)

    Zentralasien gehörte aus europäischer Sicht nicht zu einer völlig fremden, unbekannten Welt, von deren Existenz man nichts ahnte und die nur durch Zufall entdeckt wurde. Vielmehr grenzte die Zivilisation Europas bereits seit ihren Anfängen an die Kulturen Asiens. Je nachdem, wo im Lauf der Geschichte die Machtzentren gerade lokalisiert waren, fand ein mehr oder weniger intensiver Austausch statt. Schon in der Antike schrieben Reisende ihre Erfahrungen nieder und vergrößerten so allmählich das Wissen über zuvor nur wenig bekannte Gebiete. Doch trotz dieser historischen Nähe begann die systematische Erforschung Zentralasiens durch Europäer erst im späten 18. Jahrhundert. Das Great Game führte...

  8. 5. UMFELD FÜR EMPIRISCHE WAHRNEHMUNGEN
    (pp. 95-120)

    Die Wahrnehmung vor Ort war bestimmt durch die Motivation eines Reisenden, sein Vorwissen und die Bedingungen, unter denen die Reise unternommen wurde. Auch persönliche Vorlieben und individuelle Fähigkeiten spielten dabei eine wichtige Rolle. Für den Einfluss eines Reisebericht auf die Bilder, die man sich in Europa von Zentralasien machte, war dagegen entscheidend, in welcher Form das auf der Reise erworbene Wissen präsentiert wurde und wie es beim Publikum aufgenommen wurde. Einige Berichte und deren Autoren erwiesen sich als besonders einflussreich, entweder aufgrund der Einzigartigkeit ihrer Reise, der persönlichen Präsentation oder aber wegen des Informationsgehalts ihrer Beschreibungen. Gelegentlich, aber durchaus nicht...

  9. 6. DARSTELLUNG VON TURKMENEN
    (pp. 121-156)

    Turkmenen erscheinen in den Reiseberichten meist schon, bevor sie selbst physisch die Szene betreten. So wird etwa oft bei der Routenplanung darauf hingewiesen, dass gewisse Wegstrecken zur Zeit der Reise gerade gemieden werden sollten, da in jener Gegend turkmenische Räuber gesichtet wurden. Warnungen vor den Gefahren des Weges waren an der Tagesordnung. Joseph Wolff beschreibt das Schicksal, das ihm vor seiner Reise nach Bukhara prophezeit wurde, folgendermaßen:

    “As soon as you arrive in Khorasan, the Turkomans will certainly make a slave of you; and if you should succeed to come as far as Merv they would put you to death...

  10. 7. SCHLUSS
    (pp. 157-168)

    Die vorangehenden Ausführungen haben gezeigt, dass sich Autoren nicht nur mit den zu Beginn zitierten Bereichen Nomadismus, Räubertum und Sklaverei befassten, sondern auch andere Themen aufgriffen und beschrieben. Dazu gehört etwa das Aussehen der Turkmenen und Turkmeninnen, das sowohl in Bezug auf ihre körperlichen Merkmale als auch auf die Bekleidung ausführlich behandelt wird.643 Beeindruckt zeigten sich die Reisenden dabei vor allem von dem selbstbewussten und stolzen Auftreten der Männer, aber auch vom Schmuck und der Bekleidung der Frauen. Aus den charakterlichen Beschreibungen lässt sich nicht genau entnehmen, ob die Turkmenen von den Autoren als „gut“ oder „böse“ betrachtet wurden. Häufig...

  11. 8. LITERATUR
    (pp. 169-176)
  12. ANHANG
    (pp. 177-186)
  13. INDEX
    (pp. 187-196)