Architektonische Tonreliefs

Architektonische Tonreliefs: aus den Grabungen der Basilika am Staatsmarkt in Ephesos

Claudia Lang-Auinger
Volume: 22
Copyright Date: 2012
https://www.jstor.org/stable/j.ctt3fgkqf
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    Architektonische Tonreliefs
    Book Description:

    This publication introduces two so far unpublished friezes (A1 and A2) from the excavations in the Basilica on the so called Staatsmarkt in Ephesos in the sixties and seventies of the 20th century. These two friezes are made up of terracotta plaques which belong to second half of the 1st BC. On top of both friezes are ionic Kymatia. A1 shows alternating palmettes with Gorgoneia and busts, while frieze A2 shows only Shield Gorgoneia and palmettes. From A1 the red colour of the background is still preserved as well as two busts in archaistic style. The fragments of A1 offer many possible arrangements how the frieze may have originally looked. The most plausible variants have been shown by computer aid. The two friezes differ very much in their production levels. A2 is very careless manufactured in contrast to the carefully A1 manufactured. The Gorgoneia from A1 are in dependence on those of A2. With the evidence available, we may imagine how and where the friezes were fixed.

    eISBN: 978-3-7001-7324-3
    Subjects: Archaeology

Table of Contents

  1. Front Matter
    (pp. 1-4)
  2. Table of Contents
    (pp. 5-6)
  3. Vorwort des Institutsdirektors
    (pp. 7-8)
    Andreas Pülz

    Im Zuge der Vorbereitungen für den von V. MitsoPoulos-Leon – C. Lang-Auinger verfassten Band‚ Die Basilika am staatsmarkt in Ephesos, 2. Teil: Funde klassischer bis römischer Zeit‘ (FiE IX/2/3) kamen im Depot einige Kisten mit Fragmenten von Reliefplatten zum Vorschein. Ihre offenkundige Besonderheit führte allerdings rasch zum Entschluss, diese Platten nicht in den in Arbeit befindlichen Band aufzunehmen, sondern ihnen vielmehr eine eigene Studie zu widmen.

    Bei den genannten Platten handelt es sich um architektonische Dekorationselemente, die aus Ton und nicht wie üblich aus Marmor bestanden. Die Verwendung dieses Materials in der Architekturdekoration stellt ein Novum in Ephesos dar. Nach heutigem...

  4. Vorwort der Verfasserin
    (pp. 9-10)
    Claudia Lang-Auinger

    Dieser Band präsentiert die Tonreliefs aus den Grabungen in der Basilika am sog. Staatsmarkt in Ephesos, nachdem die Keramik- und Kleinfunde von der klassischen bis zur römischen Zeit bereits in den Faszikeln IX/2/2 und IX/2/3 der Forschungen in Ephesos (FiE) publiziert wurden. Bereits die erste Sichtung der Tonreliefs nach der Auffindung im Depot des Grabungshauses von Ephesos führte rasch zu dem Entschluss, die Platten nicht gemeinsam mit den anderen Fundgattungen, sondern in einem eigenen Band zu veröffentlichen. Der Titel dieses Bandes ist daher den beiden vorangegangenen FiE-Bänden angeglichen. Es muss aber hervorgehoben werden, dass die Objekte zwar beim Gebäude gefunden...

  5. Verzeichnisse
    (pp. 11-18)
  6. 1. Beschreibung der Fundorte und der Fundschichten
    (pp. 19-21)

    In den sechziger und frühen siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden von W. Alzinger innerhalb der Basilika am sog. Staatsmarkt Grabungen durchgeführt¹. Die Grabungen galten in erster Linie der Erforschung der Basilika mit der sog. Stierkopfhalle. 1985 und 1986 wurden von ihm abermals Sondagen angelegt – und es wurde sogar die alte Sondage 3/65 neuerlich geöffnet –, um Aufschluss über den baulichen Zusammenhang von Basilika und Odeion zu erhalten². Trotz der relativ großen Anzahl an Suchschnitten macht ein Blick auf den Plan deutlich, dass die untersuchte Fläche gegenüber der Ausdehnung der Basilika verhältnismäßig bescheiden blieb (Taf. 40).

    Das untersuchte Areal liegt...

  7. 2. Aufbau und Beschreibung der Platten
    (pp. 21-25)

    Vom Fries A1 sind 29 Fragmente erhalten (KatNr. 1–29). Sie stammen von verschiedenen Abschnitten der Platten, sodass eine theoretische Ergänzung zu einem vollständigen Aufbau der Platte möglich wird: Über einer abgetreppten Leiste erhebt sich die Bildzone, auf der die Büsten, Gorgoneia und Palmetten locker nebeneinander stehend angeordnet sind. Diese Zone wird von einem Profil aus Perlstab und Eierstab, die in Achskorrespondenz stehen, abgeschlossen. Bekrönt ist die Platte von einer Hohlkehle und einer glatten Platte, die bei diesem Format treffender als Plättchen zu bezeichnen ist.

    Die Platte ist an der Unterkante 0,5 cm dick. Die abgetreppte Leiste, die den unteren...

  8. 3. Technische Daten
    (pp. 26-27)

    Es ist davon auszugehen, dass die einzelnen Platten etwa die gleichen Maße hatten. An den Abschlusspro-filen sind jedoch deutliche Maßunterschiede festzustellen, die im Wesentlichen durch die unterschiedlichen Höhen der glatten Leisten verursacht werden; vom niedrigsten bis zum höchsten beträgt der Unterschied bis zu 2 cm (siehe Tabelle 1–2 im Katalog). KatNr. 3 und 4 wurden aus derselben Matrize gezogen, wie an den identischen Bläschen an der Spitze der Eierschale sichtbar wird. Bei den oberen Abschlussprofilen ist jedoch auch hier ein Unterschied von 0,7 cm zu messen. Diese Differenz ist auf die Verwendung unterschiedlicher Tonqualitäten und die wechselnden Bedingungen beim...

  9. 4. Herstellung und Werkstatt
    (pp. 28-31)

    Für beide Friese wurden Matrizen bzw. Model verwendet, die eine Abhängigkeit voneinander erkennen lassen. In Aufbau und Dekor erscheinen beide gleichartig, sie weisen jedoch bei genauer Betrachtung markante Unterschiede auf, die es zuerst herauszuarbeiten gilt. Am augenfälligsten ist die vollkommen unterschiedliche Gestaltung der beiden Abschlussprofile: An erster Stelle ist der fehlende Perlstab bei A2 zu nennen; ein weiterer Unterschied zeigt sich bei der Gestaltung der Eier, die bei A2 deutlich plastischer als bei A1 ausgeformt sind; außerdem fehlen bei A2 die Schalen. Statt wie üblich plastisch gestaltet, sind die Schalen bei A2 nur durch Kerben angedeutet, die beiderseits von einem...

  10. 5. Rekonstruktion
    (pp. 32-36)

    Die Fragmente mit erhaltener Stoßkante sowie solche mit oberer oder unterer Frieskante erlauben das Aussehen und die annähernde Größe einer Einzelplatte jedes Frieses zu rekonstruieren. Aus Matrizen seriell hergestellte Produkte lassen eine Maßgleichheit annehmen, die in unserem Fall aber – wie oben bereits ausgeführt³⁹ – keineswegs vorliegt. Vermutlich wurde in Kenntnis des Materialverhaltens beim Trocknen auf exaktes Einhalten von Maßeinheiten auch nur wenig Wert gelegt. Im Wissen um diesen Sachverhalt erübrigt sich der Versuch, das Maß der Matrize und die damit beabsichtigte Größe einer Platte exakt zu rekonstruieren. Nicht einmal der Schwankungsbereich ist genau definierbar. Die rekonstruierten Schnitte auf Taf. 16 geben...

  11. 6. Stilistische Auswertung und Datierung
    (pp. 36-50)

    Für die Auswertung der beiden Friese steht aus dem westlichen Kleinasien so gut wie kein vergleichbares Material zur Verfügung, weder aus Ton noch aus einem anderen Werkstoff. Das für diese Region doch eher außergewöhnliche Material ist auffällig; jedem Betrachter kommen sofort die römischen Campanareliefs in den Sinn. Unter den architektonischen römischen Tonreliefs sind auch tatsächlich die nächsten thematischen Vergleiche zu finden. Beide Friese weisen jedoch Charakteristika auf, die nur im Osten zu finden sind, wie in der folgenden Auswertung aufgezeigt wird.

    Das Abschlussprofil beider Friese besteht aus Hohlkehle und Plättchen. In der kleinasiatischen Ornamentik der Marmorarchitektur wird häufig auch die...

  12. 7. Vergleiche mit anderen Tonreliefs
    (pp. 51-54)

    Wie sich aus dem oben Gesagten bereits ergibt, sind keine unmittelbaren Vergleiche zu den beiden Friesen A1 und A2 zu finden, insbesondere für die Verwendung von Tonplatten als Teile eines fortlaufenden Frieses. Nach Durchforstung des ephesischen Materials lassen sich aber einige einzeln stehende Tonreliefs der späthellenistischen bis frühaugusteischen Zeit als Vergleiche anführen:

    1.) Im Hanghaus 1 wurde ein Heroenrelief in einer Wandnische verbaut in situ gefunden, ein weiteres Fragment aus derselben Matrize konnte aus dem Schutt der Tetragonos Agora geborgen werden¹⁷⁴.

    2.) Aus dem Brunnen am sog. Staatsmarkt wurde das Fragment einer Tonplatte gezogen, auf dem ein in die Knie...

  13. 8. Deutung der Büsten
    (pp. 54-56)

    Die Bilder auf den KatNr. 28 und 29 haben bei den antiken Rezipienten bestimmte Vorstellungen oder Assoziationen hervorgerufen. Die archaisierende Form der Wiedergabe ist dabei ein wesentliches Lenkungsmoment, wie die Bilder verstanden werden sollten. In dieser allgemeingültigen Bild-und Formensprache stehen für eine mögliche Deutung der Büsten an erster Stelle die olympischen Götter, gefolgt von (lokalen) Heroen und Personifikationen. Sie werden alle in unterschiedlicher Zahl und Gruppierungen, bevorzugt an bzw. in öffentlichen Gebäuden, als Dekor verwendet. In dieser Anwendung sind sie allerdings nicht als reiner schmuck zu verstehen, sondern ihr Auftreten in bestimmter Gestalt und in bestimmten Zusammenstellungen will eine gezielte...

  14. 9. Götterbilder
    (pp. 57-60)

    Die beiden Büsten des Frieses A1 sind vermutlich als der erhaltene Rest eines Zyklus von mehreren Götterbildern zu sehen. Über die Anzahl der dargestellten Götter können nur Vermutungen geäußert und entsprechende Vorschläge gemacht werden. Eine Reihe von in Ton überlieferten Götterversammlungen lassen sich anführen, die zum Teil bereits oben bei der Besprechung des Frieses und seiner Vergleichsbeispiele erwähnt worden sind²²⁶.

    Die bereits im vorangegangenen Kapitel angeführten Vergleichsbeispiele aus Kopenhagen²²⁷ (Taf. 28 b), die als Saturn und Rhea gedeutet werden, und die fast vollständig erhaltene Simaplatte im Palazzo Massimo (Taf. 28 a)²²⁸ zeigen Götter in unterschiedlichen Anordnungen. Das letztere Beispiel zeigt...

  15. 10. Stoa
    (pp. 61-67)

    Ziel der in den sechziger und siebziger Jahren von W. Alzinger angesetzten Untersuchung war die Stierkopfbasilika²⁶⁹. Der Vorgängerbau, der dabei zutage gekommen ist und der in der Folge als hellenistische Stoa bezeichnet wurde, rückte rasch ebenfalls in das Interesse des Ausgräbers. Als Folge wurden auch Sondagen ausgesteckt, die ausschließlich Fragen zu diesem neu entdeckten Vorgängerbau klären sollten. 1968, 1971 und 1972 wurde der Frage nach dessen Ausdehnung nach Osten nachgegangen, die anhand des Erhaltenen jedoch bis heute nicht eindeutig beantwortet werden kann. 1971 dienten die beiden Schnitte 8 und 12 der Klärung des Verlaufs von unter der Basilika West-Ost verlaufenden...

  16. 11. Verwendung der Friese
    (pp. 67-71)

    Die beiden Friese weisen Merkmale auf, die sie für die Anbringung im Gebälk tauglich machten. Wären auf der Rückseite einiger Platten nicht Mörtelrückstände, die diese Verwendung ausschließen und vielmehr auf eine Befestigung an einer Wand schließen lassen, läge die Verwendung als Dachschmuck in Form einer Sima nahe.

    Das Fehlen von Heftlöchern zum Annageln schließt eine Funktion als Verkleidungsplatten von Holzbalken der Dachkonstruktion für A1 und A2 aus³²⁰, ebenso eine Befestigung an Holzankern in aufgehenden Mauern³²¹. Jüngsten Funden nach konnten Eckstücke von Campanaplatten identifiziert werden, deren Anbringung an Türrahmen gesichert ist³²²; diese Variante ist aber mangels Heftlöcher für die ephesischen Platten...

  17. 12. Zusammenfassung
    (pp. 71-72)

    Vorgelegt sind hier zwei Architekturfriese (A1 und A2), die bei der Untersuchung der Basilika am sog. Staatsmarkt und deren Vorgängerbau, der Stoa, zutage getreten sind. Die beiden Friese bestehen aus Platten aus gebranntem Ton, die je nach Rekonstruktion eine Einzellänge (im Rahmen der werkstoffabhängigen Schwankungen) von etwa 46 cm oder 54 bis 57 cm erreichen. Beide Friese wurden aus Gipsmatrizen gezogen. Wie aus den Rückseiten zu schließen ist, wurden die Abschlussprofile und der ‚eigentliche‘ Fries aus separaten Matrizen geformt und im lederharten Zustand aneinander gefügt. Es liegen Produktionsmerkmale vor, die auf zwei verschiedene Produktionsserien oder sogar Werkstätten hinweisen.

    Der Fries...

  18. 13. Katalog
    (pp. 73-77)
  19. 14. Register
    (pp. 78-78)
  20. TAFELN
    (pp. None)