Angina Days

Angina Days: Selected Poems

Günter Eich
Translated and Introduced by Michael Hofmann
Series: Facing Pages
Copyright Date: 2010
Pages: 216
https://www.jstor.org/stable/j.ctt7sqmt
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    Angina Days
    Book Description:

    This is the most comprehensive English translation of the work of Günter Eich, one of the greatest postwar German poets. The author of the POW poem "Inventory," among one of the most famous lyrics in the German language, Eich was rivaled only by Paul Celan as the leading poet in the generation after Gottfried Benn and Bertolt Brecht. Expertly translated and introduced by Michael Hofmann, this collection gathers eighty poems, many drawn from Eich's later work and most of them translated here for the first time. The volume also includes the original German texts on facing pages.

    As an early member of "Gruppe 47" (from which Günter Grass and Heinrich Böll later shot to prominence), Eich (1907-72) was at the vanguard of an effort to restore German as a language for poetry after the vitriol, propaganda, and lies of the Third Reich. Short and clear, these are timeless poems in which the ominousness of fairy tales meets the delicacy and suggestiveness of Far Eastern poetry. In his late poems, he writes frequently, movingly, and often wryly of infirmity and illness. "To my mind," Hofmann writes, "there's something in Eich of Paul Klee's pictures: both are homemade, modest in scale, immediately delightful, inventive, cogent."

    Unjustly neglected in English, Eich finds his ideal translator here.

    eISBN: 978-1-4008-3434-1
    Subjects: Language & Literature

Table of Contents

  1. Front Matter
    (pp. i-vi)
  2. Table of Contents
    (pp. vii-x)
  3. ACKNOWLEDGMENTS
    (pp. xi-xii)
    M. H
  4. INTRODUCTION
    (pp. xiii-xx)
    Michael Hofmann

    In 1946 or 1947, at a late-ish midpoint of his life, but effectively when his career was beginning (all three, mid-point, career, and life were rather skewed by the Third Reich), Günter Eich prepared a CV to be made public at a reading or readings. He had recently written poems (“Camp 16” and “Inventory” and others) that were a departure from his early manner and wanted to indicate as much, and perhaps to warn listeners. I quote the whole of it, partly for the facts, partly for the dry pleasure of Eich’s understatement:

    I was born on 1 February 1907...

  5. from Abgelegene Gehöfte
    (pp. 1-14)

    Die Hühner und Enten treten

    den Hof zu grünlichem Schmutz.

    Die Bauern im Hause beten.

    Von den Mauern bröckelt der Putz.

    Der Talgrund zeichnet Mäander

    in seine Wiesen hinein.

    Die Weide birgt Alexander,

    Cäsarn der Brennesselstein.

    Auch wo die Spinnen weben,

    der Spitz die Bettler verbellt,

    im Rübenland blieben am Leben

    die großen Namen der Welt.

    Die Ratten pfeifen im Keller,

    ein Vers schwebt im Schmetterlingslicht,

    die Säfte der Welt treiben schneller,

    Rauch steigt wie ein feurig Gedicht.

    The ducks and hens

    tread the farmyard to a shitty green.

    The smallholders are indoors praying.

    Plaster crumbles off the walls.

    The...

  6. from Botschaften des Regens
    (pp. 15-46)

    Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

    Wie gut, daß sie am Sterben teilhaben!

    Die Pfirsiche sind geerntet, die Pflaumen färben sich,

    während unter dem Brückenbogen die Zeit rauscht.

    Dem Vogelzug vertraue ich meine Verzweiflung an.

    Er mißt seinen Teil von Ewigkeit gelassen ab.

    Seine Strecken

    werden sichtbar im Blattwerk als dunkler Zwang,

    die Bewegung der Flügel färbt die Früchte.

    Es heißt Geduld haben.

    Bald wird die Vogelschrift entsiegelt,

    unter der Zungeist der Pfennig zu schmecken.

    Who would want to live without the comfort of trees!

    Aren’t we lucky that they are mortal!

    The peaches have been picked, the...

  7. from Zu den Akten
    (pp. 47-90)

    1

    Hier wollte ich Straßenbahnen anlegen

    und schaukeln

    auf der Kette des Kriegerdenkmals.

    Ein Zeichen für Taubstumme.

    Eine Predigt für die Bäcker,

    die sich räkeln im Morgenwind.

    2

    Der Ausblick, allmählich

    verfärbt von Leim,

    Deckblätter und Straße

    zerschnitten

    vom selben Messer.

    Die Asphaltierung ist

    geplant wie das Sterben.

    3

    Zwei deutliche Schrift en, –

    eine Fahrradwanderung

    zu Burgruinen.

    Uns aber gehts gut.

    Wir spielen im schwarzen Sand.

    Wir kauen Brot

    für die Risse in den Tapeten.

    1

    This is where I wanted to set up tramlines,

    and swing on the chain

    around the war memorial.

    A warning to deaf-mutes.

    A homily...

  8. from Anlässe und Steingärten
    (pp. 91-132)

    Diese Flugzeuge

    zwischen Boston und Düsseldorf.

    Entscheidungen aussprechen

    ist Sache der Nilpferde.

    Ich ziehe vor,

    Salatblätter auf ein

    Sandwich zu legen und

    unrecht zu behalten.

    These planes trafficking

    between Boston and Düsseldorf.

    To give a verdict

    you have to be a rhinoceros.

    I prefer

    to lay lettuce leaves

    in a sandwich

    and stay in the wrong.

    Das meiste zwischen Zoo,

    Potsdamer Bahnhof, Molkenmarkt,

    der Kaiser und die spanische Grippe,

    Ereignisse und Konfektion,

    ein totes Gesicht in den Kissen, Oktober,

    alles was über Wanzen zu wissen ist,

    alles über den Kellner Albert, die tristen

    Fahrten aufs Land, immer schon

    die fehlenden...

  9. Nach Seumes Papieren
    (pp. 133-154)

    Links eine Straße zum Hafen. Nicht die Einwohner,

    die Topographien sind entscheidend.

    Der reformierte Kirchgang, rotweiße

    Vermessungsstäbe bilden den Gottesbegriff .

    Wie sich die Straße an einer zoologischen Handlung krümmt,

    der Empfänger meiner Brieft elegramme könnte es Liebe ennen.

    Man fährt nicht nach Venedig oder Kyoto. In Winkeln

    spielt sich die Welt ab.

    Nur keine Spuren hinterlassen.

    To the left, the road to the harbor.

    It’s not the inhabitants

    that matter so much as the topographical features.

    The walk to the reformed church, red and white

    surveyors’ poles constitute the idea of God.

    The way the road bends at a...

  10. from Uncollected Poems and Poems from Radio Plays
    (pp. 155-195)

    Der Regen in Eltville,

    der gleiche Regen wie anderswo,

    Wassertropfen mit Beimgerung von Staub,

    einmal verdunstet aus Gewässern, die mir unbekannt sind,

    der gleiche Regen und doch ein andrer, wie ich ihn trommeln höre:

    Er ist für mich.

    Während jenseits der Wand das Fensterblech schallt,

    nimmt jemand zwanzig Tabletten Veronal,

    vor der Zärtlichkeit eines Blickes bebt mir das Herz,

    und es bleiben auch die mageren Arme meiner Neff en aus Berlin.

    Hier sitze ich unter dem Schutze des Dachs

    und ich kann einen Mantel anziehen, wenn ich hinausgehe,

    aber er traf mich längst, er wird mich ertränken,

    Regen des Wahnsinns,...